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Aktivitäten der Rassebetreuer der Spitze bei der GEH
Was sind „Alte Rassen“?
Alte Rassen bei Haustieren sind Tierrassen, deren Nutzen – auf den ersten Blick – nicht mehr so recht in unsere moderne Zeit passt oder zu passen scheint.
Grundsätzlich geht es bei Haustieren immer um Nutzen, denn nichts anderes war für den Menschen überhaupt der ausschlaggebende Grund, sie zu domestizieren und zu speziellen Rassen weiterzuentwickeln, um ihren Nutzen zu steigern.
So gibt es beispielsweise bei Rindern Unterschiede in der Menge und Qualität des Fleisches oder der Milch. Manche Rinderrassen wurden früher auch als Zugtiere eingesetzt. Da in früheren Zeiten Bauern meistens nur eine begrenzte Anzahl von Rindern halten konnten, aber mehrere verschiedene Bedürfnisse hatten, waren die von ihnen gezüchteten Rinder üblicherweise Zwei- oder Mehrnutzungsrinder,
Ein weiterer Aspekt alter Haustierrassen ist ihre Anpassung an die Umweltgegebenheiten. Flachlandrinder können sich in überwiegend gebirgiger Umgebung weniger trittsicher bewegen als das sog. Höhenvieh und auch klimatische Unterschiede zwischen Flachland und Gebirge kommen zum Tragen, wenn im Gebirge der Winter früher beginnt und länger anhält. Das Vieh muss also andere Temperaturen vertragen können, sich selbst geschützte Plätze suchen können und auch hinsichtlich der Fütterung evtl. genügsamer sein.
Ist ein Nutz- oder Haustier nicht ausreichend an seine Umgebung angepasst und kann nicht flexibel genug auf erwartbare Veränderungen reagieren, sinkt der Nutzen, weil die Tiere schneller verunfallen oder krank werden.
Entsprechend zeichnen sich alte Haustierrassen i. d. R. aus nicht durch Spezialisierung zur Steigerung nur eines einzigen und bestimmten Nutzens, der maximiert werden soll (z. B. heutige Massentierhaltungen/Mastanstalten), sondern durch gute Resilienz und Anpassungsfähigkeit an ein breites Spektrum verschiedenster Anforderungen.
Der gleiche Grundsatz galt immer auch für alte Hunderassen, bei denen man von der sog. Gebrauchstauglichkeit spricht. Kränkliche und/oder für ihren Einsatzzweck wenig oder untaugliche Hunde wurden nicht zur Weiterzucht verwandt, weil sich das Aufwand-Nutzen-Verhältnis zu Ungunsten des Nutzens verändert hätte.
Sieht man sich alte Hofhunderassen wie unseren Spitz an, so wird sehr schnell deutlich, dass sie ein möglichst breites Spektrum verschiedenster Bereiche abdecken mussten. Im Gegensatz zu einem Dackel oder Windhund, der nicht nur eine grundsätzliche Spezialisierung zur Jagd hat, sondern auch auf ein ganz bestimmtes Beuteschema abgestimmt ist, kann ein klassischer Hofhund sowohl Wachen (was eine entsprechende Zurückhaltung/Reserviertheit gegenüber fremden Menschen und Tieren voraussetzt), als auch Hüten, Treiben, muss gegenüber den anderen Nutztieren friedlich sein und ortstreu. Dabei muss er äußerst gelehrig oder gar selbstlernend und nicht krankheitsanfällig sein, weil sonst der Aufwand seiner Ausbildung zu groß wäre und er laufend ausfiele.
Ebenso wie auch beim Rind, Schaf, Schwein oder Geflügel wurden daher auch bei Hunden zur Zucht genau die Tiere eingesetzt, die solchen Anforderungen an die Vielfalt ihrer Einsatzgebiete und Nutzungsmöglichkeiten am besten gerecht wurden.
Ein gutes Beispiel dafür finden wir bei Schlittenhunden. Denn da gibt es Züchter von Huskies und es gibt Züchter von Schlittenhunden. Der Unterschied liegt in den Prioritäten, die bei der Zucht im Vordergrund stehen.
- Husky-Züchter züchten Huskies nach einem bestimmten Rasse-Standard, der ihnen von ihrem jeweiligen Rassezuchtverein vorgegeben wird und zwar vom ürsprünglichen Denkansatz mal etwas mit Leistungsfähigkeit (in diesem Zusammenhang nur ein anderer Begriff für „Nutzen“) zu tun gehabt haben mag, sich aber inzwischen weit davon entfernt hat. Rasse-Standards kristallisieren sich in der heutigen Hundezucht fast ausschließlich in bestimmten Vorgaben zum Exterieur der Hunde (Größe, Fellfarbe- und -länge, Ohrenform, div. Körperproportionen etc.), wobei bei bestimmten Rassehunden nach Leistungs- und Showlinien unterschieden wird und bei der Leistungszucht bestimmte weitere – eben leistungsorientierte – Fähigkeiten abgeprüft werden. (Achtung! Viele Hundekäufer verwechseln dabei den Begriff der „Leistungszucht“ mit dem Begriff „Auslesezucht“!) Favorisiert werden möglichst lange Ahnentafeln, die keinerlei unbekannte oder abweichende Vorfahren ausweisen, sowie Ausstellungserfolge und Ähnliches. Entsprechende Vorgaben finden wir in den Zuchtvorschriften einschlägiger Hundezuchtvereine und -verbände, in denen die Hunde entsprechend dieser Vorgaben z. B. entweder in ein Zuchtbuch oder das sog. Register sortiert und eingetragen werden, wobei die Zucht mit Registertieren besonderen Auflagen unterliegt.
- Schlittenhund-Züchter dagegen priorisieren Schnelligkeit, Zugkraft, Lenkbarkeit (aber auch Eigenständigkeit) und Gesundheit in der Zucht. Es spielt keine Rolle, ob der Hund krauses oder glattes, langes oder kurzes Fell oder welche Farbe es hat. Daher züchten sie nicht standardgemäße Huskies, die aber durchaus in der Zucht sein können, sondern haben kein Problem, einen entsprechend vitalen, motivierten und an begleitende Witterungsverhältnisse angepassten Großpudel in die Zucht zu integrieren, zumal er den Genpool der gezüchteten Hunde bereichern kann und die Nachzucht dadurch voraussichtlich sogar weniger krankheitsanfällig ist. Dagegen würde ein Schlittenhund-Züchter einen zwar hübschen (und vielleicht dem FCI-Rassestandard hervorragend entsprechenden), aber schwächlichen oder kränklichen Husky aus der Zucht aussortieren. Denn wenn er beim Iditarod im Tiefschnee stecken bleibt, weil seine Hunde krank, verletzt oder nicht stark genug sind, helfen ihm weder schicke Ahnentafeln noch der schönste Ausstellungspokal. Gleichwohl wird er aber die Nachzucht des Pudels aus der Zucht wieder aussortieren, wenn sie seinem Ziel, nicht im Tiefschnee stecken zu bleiben, nicht gerecht werden. Eine Entsprechung zur Zucht mit Registertieren im Rassezuchtverein, die sich aber an einer vollkommen anderen Zielstellung orientiert.
Betrachtet man nun den Aspekt der Rasse-Reinheit oder Reinrassigkeit, dann spielt dabei von der Grundidee durchaus die Steigerung des Nutzens, bzw. der Gebrauchstauglichkeit eine Rolle, denn dabei geht es darum, bestimmte und erwünschte Gebrauchseigenschaften zu verbessern und zu verfestigen, um sie einigermaßen vorhersagbar zu machen. Es ist also nicht sehr zweckmäßig, einen Dackel bei den Windhunden zur Zucht einzusetzen oder einen Chinesischen Schopfhund bei den Wasser-Rettungshunden.
Aber:
Ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt der Rassezucht an sich ist die (erwiesene) Tatsache, dass dabei keineswegs nur erwünschte Gene kumulieren, sondern auch weniger erwünschte oder gar krankmachende Gene. Das fatale Ergebnis dieses Prozesses bezeichnet man als Inzuchtdepression, die sich in Form abnehmender Vitalität (z. B. kleinere Würfe, “Leerbleiben“ der Hündinnen nach einem Deckakt, zunehmende Krankheitsanfälligkeit/Erbkrankheiten und Futterunverträglichkeiten/Immundefizite, Abnahme der Lebenserwartung) bemerkbar macht und nachweisbar ist. Denn gerade viele krankheitsauslösende Gene liegen in gemischterbiger Form vor und das hat auch einen Grund. Gene sind praktisch nie an nur einem einzigen, sondern an sehr vielen biologischen Prozessen beteiligt und können – auch das ist heute bestens bekannt – in ihrer gemischterbigen Form sogar viele Krankheiten verhindern. Lediglich in der reinerbigen Form führen sie zu Krankheiten. Versucht man, diese Gene aus falsch verstandenem Gesundheitsbewusstsein oder Hypochondrie wegzuzüchten, so erreicht man damit das genaue Gegenteil! Das Gleiche passiert, wenn man nur die Reinerbigkeit der äußerlich sichtbaren erwünschten Rassemerkmale beobachtet, nicht aber die äußerlich unsichtbare Homogenisierung auch der anderen Gene.
Der Fehler in beiden Fällen ist, dass man eben nur einen kleinen Ausschnitt betrachtet und den Gesamtprozess und seine Komplexität dabei aus den Augen verliert (oder nicht, bzw. nicht ausreichend verstanden hat).
Rassereinzucht ist und bleibt (!) immer (!) eine Gratwanderung zwischen einer für Gesundheit und Überleben wichtigen und sogar notwendigen Gemischterbigkeit oder Heterozygotie und krankmachender oder sogar letaler Reinerbigkeit (Homozygotie).
Für manche alte Hunderasse, z. B. die alten Hütehundschläge, mag es daher sogar oft ein lebensrettender Vorteil (gewesen) sein, nicht von einschlägigen Rassehunde-Zuchtvereinen oder der FCI als eigenständige Rasse anerkannt zu werden, weil man ihnen dann nämlich ihre lebenswichtige genetische Vielfalt zugunsten der Übereinstimmung rein äußerer Rassemerkmale weggezüchtet und sie damit zum Aussterben gebracht hätte, denn genetische Varianz zeigt sich rein äußerlich i. d. R. bereits durch weniger einheitliches und normierbares Aussehen, welches bei den von Zuchtvereinen anerkannten Hunderassen im jeweiligen Zuchtstandard festgelegt, also normiert ist.
Die Crux daran ist, dass gerade die von vielen Züchtern so geliebten Hunde-Ausstellungen zuchtlenkende Wirkung haben, indem sie Preise und Pokale an genau die Hunde vergeben, die dieser festgesetzten (äußerlichen) Norm am ehesten entsprechen. Da aber viele Hundezüchter solche Preise gern haben möchten begehen sie den Fehler, ihre Hündin von einem so prämierten Rüden decken zu lassen in der Hoffnung, standardgerechtere Nachzucht zu erhalten. Die Folge ist, dass ein solcher Hund dann besonders viele Nachkommen hat und die nächste Generation enger verwandt ist. Diese Rüden bezeichnet man als Populare Sires und das Ergebnis als Matador-Zucht, weil sie durch Abnahme der genetischen Varianz (den sog. genetischen Flaschenhals oder Bottleneck) todbringende Folgen hat.
Gleichzeitig glauben auch Hundekäufer fälschlicherweise, dass Hunde aus einer besonders pokalträchtigen oder prämierten Zuchtlinie/Zuchtstätte besonders gut wären, was zur weiteren Dynamisierung dieses Prozesses beiträgt.
Bei der Erhaltung alter Haustierrassen muss folglich im Vordergrund stehen, ihre weit höhere Anpassungsfähigkeiten an sich verändernde Umweltbedingungen und Gesundheit zu fördern und zu bewahren, die untrennbar mit einer höheren genetischen Varianz verknüpft und von ihr abhängig ist.
Die Populationsgenetik zeigt unmissverständlich auf, dass schon die reine Anzahl von Merkmalen, auf die bei der Zucht selektiert wird, entscheidende und oft unterschätzte Auswirkungen auf den Verlust von Genen und damit die Abnahme von Heterogenität, also u. A. Gesundheit hat. Es ist also für den Erhalt einer Rasse, egal, ob es sich dabei um Esel, Schweine oder Hunde handelt, von grundlegender Bedeutung, die Anzahl dieser Selektionskriterien möglichst gering zu halten und sich auf Selektion von Merkmalen zu beschränken, die bereits bei heterozygotem Auftreten zu Krankheiten mit merklichem Leidensdruck bei Tieren (und folglich auch häufig deren Besitzern) einhergehen. Und es ist ein wichtiges Element zum Fortbestehen einer Rasse, ihre genetische Varianz zu erweitern, sofern sie bereits eingeschränkt ist.
In der Praxis bedeutet dies, dass unverwandte Tiere zur Zucht eingesetzt werden müssen, um eine Rasse vorm Aussterben zu bewahren. Je kleiner eine Zuchtpopulation ist – und diese Aussage trifft auf die meisten alten Rassen zu – desto enger sind deren Individuen untereinander verwandt. Ein unverwandtes Tier kann folglich nur aus einer anderen Rasse kommen, die zwar in ihren Eigenschaften ähnlich ausgerichtet ist, nicht aber optische Entsprechungen aufweisen muss und gleichzeitig genetische Abweichungen mitbringt. Der Fachbegriff dafür lautet Kreuzungszucht oder Outcrossing.
Wenn man nämlich die Vorgaben von Rassezucht und Reinerbigkeit, wie sie in einschlägigen Hundezuchtvereinen praktiziert wird (Ahnentafeln ohne unbekannte oder fremdrassige Vorfahren), einer Erhaltungszucht zugrundelegen will, übernimmt man damit auch gleichzeitig eine in allen Fällen übertriebene und krankmachende Anzahl von Selektionskriterien, die bereits ursächlich entscheidend dafür war, die betreffende Tierrasse überhaupt erst in diese Situation zu bringen und einer Erhaltung, die an genetische Varianz gekoppelt ist, vollkommen widerspricht!
Betrachtet man also die in der Spitzzucht sehr verbreitete Diskussion um alte und neue Linien mal genauer und bei Licht, dann wird deutlich, dass dabei aufgrund nicht ausreichender züchterischer Kompetenz und mangelnden Wissens entscheidende Fußangeln übersehen werden und die Zuchtpopulation künstlich weiter aufgespalten wird, wobei die ohnehin schon begrenzten Ressourcen genetischer Variabilität weiter dezimiert würden und man somit das Aussterben nicht verhindert, sondern beschleunigt!
Was ich hier schreibe, ist im Prinzip auch den Mitgliedern der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) nicht nur geläufig, sondern wird auch von ihnen beispielsweise in anderen Publikationen der Gesellschaft genau so und nicht anders vertreten! (siehe nebenstehender Auszug. Der Unterschied, dass hier die Einkreuzung weiblicher Tiere empfohlen wird, ergibt sich daraus, dass Kreuzungszucht immer sowohl an die jeweilige Tierrasse, als auch an bestimmte Ziele angepasst werden muss, die natürlich unterschiedlich sein können!)

ARCHE NOVA 1 / 25, S. 07
Aktivitäten der Rassebetreuer der Spitze bei der GEH
Seit 2003 stehen Groß- und Mittelspitze auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) – Rassebschreibung
Ihre Einstufungen sind
- Großspitz: Kategorie I (extrem gefährdet)
- Mittelspitz: Kategorie II (stark gefährdet)
Über viele Jahre hinweg wurden sie dort betreut von der Großspitzzüchterin Christa Raddatz bis sie schließlich in ihren wohlverdienten Ruhestand trat.
Es fing damit an, dass mir 2022 zu Ohren kam, dass für eine neue Statistik von der GEH die Zahl der noch vorhandenen Großspitze ermittelt werden solle, wobei aber alle Spitze aussortiert wurden, in deren Ahnentafel an irgendeiner Stelle ein American Eskimo Dog (AED) auftauchte.
Dabei muss man feststellen, dass unsere Großspitze, ebenso die Mittelspitze, bereits zu Beginn der 2000er Jahre (siehe „Geschichte der Spitze„) dringend eine Auffrischung / Erweiterung ihres extrem (!) engen Genpools benötigten und die Einkreuzung des nah verwandten AED in die Großspitze eine sehr gute Lösung darstellte, wenngleich auch das Procedere der Durchführung eher sub-optimal war.
Ausgehend von der Tatsache, dass selbst unter den sehr eng gefassten Kriterien der vereinsmäßigen Zucht zur Zucht mit Registertieren, die Tiere üblicherweise ab der vierten Generation ins Zuchtbuch übernommen werden (siehe: VDH-Zucht-Ordnung) ist eine derartige Aussortierung nicht sinnvoll und erschien mir auch aus oben genannten Gründen (Position der GEH) nicht schlüssig. Also ermittelte ich erst einmal selbst über die Spitz-Datenbank die Anzahl der Spitze und wartete ab, ob sich da irgendwelche Diskrepanzen zeigen würden.
Sie zeigten sich nicht.
Allerdings nicht in der Form, dass die Zahlen übereinstimmend gewesen wären, sondern weil bei der GEH überhaupt keine neuen Zahlen veröffentlicht wurden!
Also schrieb ich die derzeit für die Spitze zuständige Rassebetreuerin Frau Simantke an und bot, für den Fall, dass sie Probleme mit der Erhebung neuer Zahlen hätte auch meine Unterstützung an. Ebenso zur Korrektur der Rassebeschreibung, in der – um nur einen der Fehler herauszugreifen – angegeben ist, dass der Spitz „Langstockhaar“ habe – er hat aber „doppeltes Fell“ (das ist ein entscheidender Unterschied!)
Seit 2022 habe ich mehrfach wiederholt meine Unterstützung angeboten, aber nicht ein einziges Mal auch nur eine Antwort erhalten, geschweige denn, dass die Zahlen oder falschen Angaben überarbeitet worden wären.
Mit Datum vom 12. Juni 2024 wurde dann von Frau Simantke nebenstehendes Schreiben z. B. an Zuchtvereine verschickt, in dem explizit die 2004 (!!!), also mittlerweile 20 Jahre zurückliegende Einkreuzung von AED in epischer Breite thematisiert wird.
Zwar wird hier auch auf die Einkreuzung anderer Rassen eingegangen, jedoch nur am Rande.



Artikel in
ARCHE NOVA 4 / 2024
Ende 2024 erschien dann ein Artikel in der ARCHE NOVA 4 / 2024, der Fachzeitschrift der GEH, in dem zur Abgabe von Genproben aufgerufen wurde. Die Begründung dafür war, dass so ein besserer Überblick über eventuelle Genreserven ermöglicht werden sollte, um exaktere Anpaarungsempfehlungen geben zu können.
Da ich jedoch bereits im Januar 2021 nach Rücksprache und auf Empfehlung der bekannten österreichischen Populationsgenetikerin Frau Prof. Irene Sommerfeld-Stur (selbst Besitzerin u. a. einer Japanspitzin) darauf aufmerksam gemacht hatte, dass das Genlabor Feragen eine hervorragende Möglichkeit zur gengestützten Anpaarung (Matching) anbietet, wird diese nach anfänglicher Abwehr wegen der zusätzlichen Kosten inzwischen gut genutzt.
Der Aufruf zur Abgabe einer Genprobe von Großspitzen für die GEH war also ebenso unsinnig wie die Begründung für etwaige Anpaarungsempfehlungen, denn genau das wird beim Matching bereits seit 2021 von vielen Züchtern mit zunehmender Tendenz praktiziert.
2026 erschien dann in der Ausgabe ARCHE NOVA 2/ 2026, S. 13 nebenstehender Artikel.
Dabei wird noch einmal explizit darauf eingegangen, dass genetische Anteile der AED unbedingt ausgekreuzt werden sollen, was natürlich absurd ist, da diese
- nach 20 Jahren in der Spitzpopulation vollständig assimiliert sind und
- sie explizit zur Verbesserung der Diversität eingekreuzt wurden und es vollkommen unlogisch ist, bereits erreichte Verbesserungen wieder herauskreuzen zu wollen!
Den Aspekt der wesentlichen (!) Veränderung der Rasse für eine vor 20 Jahren erfolgte Einkreuzung zweier Hunde und erfolgreicher Assimilation ihres Erbgutes anzuführen ist ebensowenig nachvollziehbar, denn dann müssten solche Vorgaben auch für die Zucht mit Registertieren gelten.
In diesem Zusammenhang erschließt sich aber natürlich der Hintergrund für den oben abgebildeten Aufruf zur Abgabe von Genproben. Denn diese angeblich so „wesentlichen Veränderungen“ des Spitzes sind tatsäch so unwesentlich, dass sie sich weder am Verhalten, noch am Exterieur der Hunde festmachen lassen, sondern – wenn überhaupt – allenfalls genetisch ermitteln ließen!

Und an eben diesem Punkt muss berücksichtigt werden, was ich bereits weiter oben thematisiert habe, dass nämlich die Übernahme solcher für die Vereinszucht typischen Selektionskriterien in die Erhaltungszucht nicht zur Erhaltung einer Tierrasse beiträgt, sondern deren Aussterben beschleunigt!
Dabei sollen diese Selektionskriterien sogar noch um zusätzliche genetische Aspekte erweitert werden = Aussterben im Turboverfahren!
Allerdings – das muss man natürlich dazu anmerken – ist dieses Ansinnen (zur besseren Emotionalisierung der Leserschaft) angeblich von der Sorge getragen, dass der Spitz aufgrund solcher imaginären Rasseveränderungen von der Roten Liste der GEH heruntergenommen werden könnte.
Ich kann ja nur für mich sprechen, aber ich vermute, da würden sich mir sicherlich viele Freunde des Spitzes anschließen:
Ich wäre durchaus froh, wenn die Groß- und Mittelspitze von der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen heruntergenommen werden könnten.
Allerdings nicht, weil sie im Eilverfahren durch abstruse Zuchtvorschläge zum Aussterben gebracht werden, was sich mit diesem Vorschlag der GEH hervorragend realisieren ließe, sondern weil sie nicht mehr vom Aussterben bedroht wären. Und genau das erreicht man eben durch Erhöhung der genetischen Varianz und durch Outcrossing!
Die Hintergründe
Die hinsichtlich der Thematik „alte Linie“ und „American Eskimo Dogs“ seit diversen Jahren federführende Züchterin hat ihre eigene Zucht begonnen mit einer Registerhündin, die aus einer Verpaarung mit der 55 cm großen Samojeden-Spitzin „Deyna (Simmank)“ (FCI-Standard Samojede) stammt, deren Züchter und Hunde (Zwinger „zum Kaisertrutz“) ich persönlich kannte und die aus eben diesem Grunde auch den VfDSp verlassen hatten, weil dort diese Verpaarung unerwünscht war.
Deynas Tochter Luna war als Registerhündin im VfDSp vorgestellt und eingetragen worden. Aus der 2006 erstellten Clusterstudie geht auch ein von der übrigen Spitzpopulation deutlich abweichender genetischer Hintergrund hervor, der allerdings nicht zwangsläufig negativ zu bewerten ist, sofern er sich nicht insbesondere auf der Verhaltensebene entsprechend bemerkbar macht.
Dabei hätte man es belassen können.


Eine vollauf dem Standard entsprechende Samojedin, klar erkennbar z. B. die anders ausgerichtete Augenpartie, gut behaarte Innenseiten der Ohren, das typische „Lächeln“ und der insgesamt kräftigere Körperbau.

Auch bei Luna noch gut erkennbar der samojedentypische, sehr kompakte und fast bis zu den Ellenbogen herabreichende Brustkorb, im Vergleich zum Deutschen Spitz wesentlich stärker betonter Widerrist, sowie erheblich dickeres Fell
Allerdings war für Evolis Besitzerin das Thema „Fremdblut“ ein ausgesprochenes Reizthema und, aus welchen Gründen auch immer (möglicherweise zur besseren Abgrenzung zu Samojeden), wurden dabei die American Eskimo Dogs zu ihrem persönlichen Dauerbrenner.

Nach Evolis erstem Wurf, aus dem sie den Rüden Asgar behalten hatte, plante sie also einen zweiten Wurf, wobei der Deckrüde auf keinen Fall irgendeinen AED in der Ahnentafel haben dürfte, was nach einer 20 Jahre zurückliegenden Einkreuzung und Assimilation des Erbgutes kaum zu realisieren war. Nach mehreren misslungenen Deckversuchen wurde Evoli trächtig. Den daraus entstandenen Wurf stellte sie in einem Fernsehbericht als „den einzigen Großspitz-Wurf in ganz Deutschland (!!!)“ vor, woraufhin mich etliche entrüstete und auch wütende Großspitz-Züchter anriefen und sich zurecht über diese Unverschämtheit aufregten.
Da aber seitens der Deckrüden-Besitzer berechtigte Zweifel an der Vaterschaft angemeldet wurden, verlangte der VfDSp von ihr zur Ausstellung von Ahnentafeln für die Welpen Vaterschaftsgutachten. Denn bei aller Kritik, die man an diesem Verein oder einzelnen Mitgliedern haben kann, kann man ja nicht verallgemeinernd annehmen, dass darum alle Züchter des Vereins mit dem Klammerbeutel gepudert wären.
Aus Wut über die Vaterschaftgutachten, deren Ergebnis eine Inszestverpaarung von Evoli mit ihrem eigenen Sohn Asgar zutage förderte, kündigte sie daraufhin 2023 ihre Mitgliedschaft im VfDSp, zumal sie mit einer Hündin aus einer Inzestverpaarung dort auch nicht hätte weiterzüchten dürfen und Evoli selbst zum Zeitpunkt der Geburt des 2. Wurfes bereits ca. 8 ½ Jahre alt war, womit sie aus der weiteren Zucht ausschied.
Ihr späterer Versuch, die Kündigung der Mitgliedschaft wieder rückgängig zu machen, scheiterte an der Bereitschaft des VfDSp, sie wieder aufzunehmen.
Daraufhin begann sie, sich bei der GEH zu engagieren und dort ihre Aktivitäten hinsichtlich einer imaginären „alten Linie“ der Großspitze und Versuche zur Elimination des Erbgutes der AED verstärkt fortzusetzen. Um jedoch mit der inzestzüchtigen Brynja weiterzuzüchten und um der ganzen Angelegenheit einen seriöseren Anstrich zu verleihen, gründete sie – im Kreise der Familie (siehe nebenstehende Auszüge aus dem Vereinsregister des Amtsgerichtes Kiel) – einen eigenen Spitzclub.
Ungünstigerweise kam ihr nun allerdings die Spitz-Datenbank in die Quere, denn nachdem es bereits die Spatzen von den Dächern pfiffen waren dort mittlerweile die Angaben zum Vater des Wurfes korrigiert worden, den sie offenbar vorsätzlich nicht angegeben hatte, wodurch der Wurf mit einem Inzuchtkoeffizienten von 0 % angezeigt wurde (sowas macht sich natürlich besser in der Außenwirkung!). Und so versuchte sie die Spitz-Datenbank durch Androhung rechtlicher Schritte zur Angabe bekanntermaßen fehlerhafter Daten zu zwingen.

(Spitzclub)

Allerdings scheiterte sie auch mit diesem Vorhaben, denn die Spitz-Datenbank ist im rechtlichen Sinne der Position einer Garantenstellung vergleichbar, d. h. die Daten werden beispielsweise in Gerichtsprozessen verwendet wie in der Auseinandersetzung um die HD-Belastung des Wolfsspitzes Arwen vom Elbauenland (Röntgenbefund, Film). Aufgrund dieser Garantenstellung sind also derartige Ansinnen vollkommen aberwitzig und ausgeschlossen.
Das Dumme daran ist, dass hinreichend bekannt ist, dass bei den Nachkommen aus Inzestverpaarungen zwischen einem Hund / einer Hündin mit dem eigenen Elterntier in der F2-Generation gehäuft angeborene Herzfehler auftreten 1 & 2 (wie z. B. die Fallot’sche Tetralogie bei meiner Banja) und die Zucht mit einem solchen Tier somit inzwischen unter den § 11 des Qualzuchtverbotes fällt, was entsprechende straf- und auch haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich zieht! Hierfür gelten insbesondere die Vorgaben aus dem Gutachten von Hrn. Prof. Dr. Cirsovius im Auftrag der Tierärztekammer Berlin, Abschnitt B II 2.2.1 (Zitat):
2.2.1 Erfüllung des Straftatbestands infolge des Zuchtvorgangs
Die Begehung einer spezialgesetzlich geregelten Ordnungswidrigkeit schließt in aller Regel eine Strafbarkeit bei Erfüllung aller Straftatbestandsvoraussetzungen nicht aus*. Eine Bestrafung wegen Tierquälerei infolge eines Zuchtvorgangs verlangt freilich, dass der die Strafbarkeit auslösende Erfolg kausal und objektiv zurechenbar auf den Zuchtvorgang zurückgeht und der Züchter zumindest Eventualvorsatz hatte. Bei Erfolgsdelikten, zu denen die Tierquälerei gehört, ist per se jede Handlung eine geeignete Grundlage für eine Strafbarkeit**. Wenn ein Züchter weiß, dass die Tiere im Sinne von § 17 Nr. 2b TierSchG erheblich und andauernd Schmerzen erlangen oder leiden werden, wird er in dem Moment strafbar, indem dieser Erfolg bei mindestens einem der von ihm gezüchteten Tiere in vorhersehbarer Weise eintritt***
* Hirt/Maisack/Moritz a. a. O. § 11b Rn. 34; Kluge-Goetschel, TierSchG-Kmmt. a. a. O. § 11b Rn. 29
** Mitsch, OWiG-Kmmt., 5. Aufl. 2018, § 21 Rn. 7
*** Im Ergebnis ebenso Hirt/Maisack/Moritz, TierSchG-Kmmt., § 11b Rn. 34; ähnl. Lorz/Metzger, TierSchG-Kmmt., § 17 Rn. 25; Kluge-Ort/Reckewll, TierSchG-Kmmt., § 17 Rn. 202
Der dort aufgeführte „Eventualvorsatz“ ist rechtlich definiert als das „billigende Inkaufnehmen“ einer Tatbestandsverwirklichung.
Zur Beurteilung des Sachverhaltes, ob es sich hier nur um einen Eventual- oder sogar einen echten Vorsatz ( = Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung) handelt, dürfte die Tatsache nicht unerheblich sein, dass die „Züchterin“ mit dem Versuch, die Datenbank für Deutsche Spitze zur Veröffentlichung falscher Angaben zum Vater des Wurfes zu nötigen, eindeutig dokumentiert hat, dass ihr die Problematik der Zucht mit Brynja vom Grotensoll vollkommen bewusst ist!
Aber dass Inzucht in kleinen Populationen nicht ausgeschlossen werden kann, hatte Frau Simantke ja vorausschauenderweise schon in ihrem Schreiben vom 12.06.2024 erklärt. – Honi soit qui mal y pense! (Ein Schelm, der Böses dabei denkt!)
Eine kleine Anmerkung vielleicht noch zum ach-so-verteufelten Fremdblutanteil: Der Anteil des Samojedenblutes von Evoli von Wölkau beträgt 12.5 % und der von Brynja vom Grotensoll, Dank Inzestzucht 9,375 %, wobei die Unterschiede zwischen Samojeden und Spitzen um ein Vielfaches größer sind als die zwischen AEDs und Spitzen! So viel also mal zum „einzigen Großspitz-Wurf“ . . .
Fazit
Die Frage, ob man sich derart unseriösen, aber in höchstem Maße eigennützigen und strafbaren Vorschlägen oder absurden Ideen von konfabulierten „alten Linien“ zur Beschleunigung des Aussterbens unserer Spitze anschließen und sich zum Erfüllungsgehilfen machen möchte, soll und muss jeder Züchter selbst entscheiden.
Ich habe hier die Fakten offengelegt, weil ich nicht weiter tatenlos zusehen werde, wie nichtsahnende und gutgläubige Züchter auf Hirngespinste hereinfallen und ihnen hinterherjagen, die vollkommen jenseits von Gut und Böse sind!
Eine andere, wirklich sehr lesenswerte und fundierte Arbeit hierzu, insbesondere zu den American Eskimo Dogs, aber auch den „legendären“ Altdeutschen Linien, die noch weitere Aspekte beleuchtet, findet man hier.
Den GEH-Mitgliedern ist es offensichtlich noch nicht aufgefallen, dass bestimmte Einzelpersonen sich die allgemeine Popularität dieser Gesellschaft und ihre wissenschaftliche Expertise für ihre vollkommen unausgegorenen persönlichen Ziele und ihr Geltungsbedürfnis zunutze machen wollen!
Ich habe dabei vollstes Verständnis dafür, dass bestimmte äußere Merkmale der Spitze wie beispielsweise überbordende Fellmassen gerade bei kleinen und Wolfsspitzen sowie sich ausbreitende Qualzucht bei den Zwergspitzen (Merkblatt Zwergspitz/Pomeranian des Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN), Filme: Trachealkollaps, Chiari-like Malformation/Syringomyelie) von vielen Spitzbesitzern nicht gern gesehen werden und rechne mich sogar selbst dazu. Aber dem kann man nicht begegnen, indem man stärker selektiert, bzw. ausgrenzt und somit das Aussterben der Spitze fördert, sondern indem man gemeinsam entsprechende Zuchtziele festlegt und durch gute Zusammenarbeit und Zuchtlenkung (unter Einbeziehung der zuchtlenkenden Wirkung von Ausstellungen!) solche Entgleisungen wieder auf ein vernünftiges / moderates und damit für Hund und Hundebesitzer gleichermaßen gesundes und zuträgliches Maß reduziert.
- 2012 Shieh, Joseph T.C. et al., Consanguinity and the Risk of Congenital Heart Disease ↩︎
- 2021 Bannasch, Danika et al., The effect of inbreeding, body size and morphology on health in dog breeds ↩︎
