Ich sehe eine ganze Reihe verschiedenster Potenziale, die einfach nur genutzt werden müssten. Das funktioniert aber nur, wenn man sich dazu entschließt und es vor allen Dingen umsetzt, bevor die großen Spitze ausgestorben sind, z. B.
Ebene von Standard / Zuchtordnung
- Vereinheitlichung der Untersuchungsbedingungen zur Zuchtzulassung für Mittel-, Groß- und Wolfsspitze, damit Großspitzzüchter nicht auf die Einkreuzung von Mittelspitz-Deckrüden und umgekehrt verzichten müssen, weil erforderliche Untersuchungen nur teilweise vorliegen,
- Entkopplung von Ausstellung und Zuchtzulassung (häufig unnötige, zuchtverhindernde Verzögerung, mangelnde Objektivität)
- vereinfachte Zulassungsbedingungen für Deutsche Spitze aus dem Ausland,
- vereinfachte Zulassungsbedingungen für Registerhunde (siehe auch „Vereins- /Verbandsübergreifende Zusammenarbeit“)
- vollständiger Verzicht auf verbindliche Vorschriften zur Farbreinzucht ( = Zulassung aller Farben, die keine nachteiligen Folgen für die Gesundheit haben, wie z. B. Merle oder Extremscheckung)
- züchterische Zusammenfassung von Wolfsspitzen und Großspitzen zu einer gemeinsamen Zuchtpopulation,
- Einführung von Decksprung-Limitierungen für Rüden und Wiederholungswürfe nur mit Ausnahmegenehmigung (z. B. wenn aus dem vorigen Wurf keine Nachzucht in die Zucht übernommen wurde),
- Einführung zuchtlenkender Maßnahmen, wie beispielsweise eine Vorgabe, dass zur Belegung von Hündinnen seitens der Zuchtkommission 3 oder 5 Rüden verbindlich vorgeschlagen werden, mit dem Ziel
- das Erbgut aller Rüden zu nutzen, damit nicht, wie z. Zt. der Fall, etliche Rüden für gutes Geld und aufwändig untersucht, aber nie eingesetzt werden und ihr Erbgut damit unwiderbringlich verloren geht.
- der Reduktion des Jagdtriebes innerhalb des Gesamtpopulation durch Verringerung des Zuchteinsatzes jagender und verstärkten Einsatz nicht-jagender Rüden im Sinne einer langsamen, aber steten Veredelungs-, bzw. Verdrängungszucht
- Schaffung einer genetischen Reserve in Form von Gefriersperma,
- Überarbeitung der zuchtbestimmenden Selektionskriterien (Was ist tatsächlich notwendig und warum, was nicht? Welche Kriterien beinhalten gesundheitliche Aspekte?)
Kreuzungszucht
- Outcrossing (wie z. B. das Landpinscherprojekt), bzw. Weiterführung mit der dort bereits vorhandenen und sich hinsichtlich des Interieurs, aber auch Exterieurs prächtig entwickelnden Nachzucht, die allesamt eine neue Variante eines Haplotyps tragen,
- Einkreuzen von American Eskimo Dogs (AED). Das von einigen Züchtern immer wieder gegen die Einkreuzung von American Eskimo Dogs ins Feld geführte Argument des Jagdtriebes ist nicht ganz nachvollziehbar. Denn auch, wenn beim AED einzelne Tiere Jagdtrieb haben mögen, so erfolgt bei einer vernünftig durchgeführten Kreuzungszucht immer eine individuelle Auswahl des einzukreuzenden Tieres, das vorher genauestens zu untersuchen ist, wobei gerade das Verhalten ein wichtiges Kriterium darstellt. Siehe auch die Zusammenarbeit mit dem Landpinscherprojekt, in dem gerade der fehlende Jagdtrieb neben der allgemeinen Erweiterung des Genpools das entscheidende Auswahlkriterium war. Darüber hinaus ist wohl festzuhalten, dass sich auch beim Deutschen Spitz der Jagdtrieb – leider – immer weiter ausbreitet, was aber von vielen Züchtern nur allzu gern unter den Tisch gekehrt und verheimlicht wird. Meine Hündin Banja hatte z. B. einen so stark ausgeprägten Jagdtrieb, dass sie nicht einmal als Jagdhund einsetzbar gewesen wäre, weil er vollkommen unkontrollierbar war. Sofern also zur Einkreuzung eine entsprechende Vorauswahl getroffen und ein nicht-jagender AED ausgewählt wird, ist dies nicht nur zur Verbreiterung der genetischen Varianz geeignet, sondern auch hilfreich gegen die Ausbreitung des Jagdtriebs bei unseren eigenen Hunden. Würde dieser Aspekt bei unseren eigenen Hunden auch nur halb so kritisch gesehen und gehandhabt wie bei möglichen Kandidaten zur Einkreuzung, müssten wir einen nicht unerheblichen Anteil unserer eigenen Zuchtbasis aus der Zucht nehmen!
- Einkreuzung von Indischen Spitzen [Indian National Kennel Club (INKC); Kennel Club of India (KCI)], die ich, aus genetischer Perspektive zunächst einmal für besonders vielversprechende Kandidaten halte (das müsste natürlich genauer untersucht werden!), weil sie
- 1. durch ihre besonders lange Isolation das vermutlch am stärksten von unseren Spitzen abweichende Genmaterial zur Auffrischung haben dürften (Haplotypen -> Gesundheitsmerkmal!) und
- 2. bestens an heißere Klimazonen angepasst wurden, was unseren Deutschen Spitzen hinsichtlich des Klimawandels mit Sicherheit zugute käme,
- 3. offenbar von Wesen und Charaktermerkmalen identisch oder zumindest nahezu identisch sind.
- Einkreuzung von Japanspitzen, die ja inzwischen auch in Deutschland gezüchtet werden,
- oder man könnte auch noch einmal bei The Kennel Union Of Southern Africa (KUSA) nachfragen, denn bereits 1972 wurde von dort ein weißer Großspitzrüde in die Niederlande importiert worden, um den verarmten Genpool zu erweitern.
Selbstverständlich müssen die jeweiligen Hunde, explizit die anderer Varietäten, sehr genau ausgesucht und akribisch auf genetische Vorbelastungen und Wesenseigenschaften überprüft werden – ähnlich, wie bei Registertieren üblich und die Einzucht sollte maßvoll (!!!) erfolgen, sowie gekennzeichnet sein!
Bei Hunden aus dem Ausland sollte verstärkt die Verwendung von Tiefgefriersperma genutzt werden, beispielsweise in Form eines Austausches von Tiefgefriersperma gut untersuchter Deckrüden gegen ebensolches von Deckrüden aus Afrika, Australien, USA, Canada, Indien etc., deren Zuchtpopulationen eine solche Auffrischung möglicherweise ebenso gelegen kommen könnte.
Vereinsebene
Schaffung gut durchdachter (Zucht-) Anreize
Auszeichnungen nicht für Züchter, die besonders viel, sondern besonders gesunde Nachzucht produzieren, z. B. durch . . .
- Teilnahme an Fortbildungen (und Umsetzung der Inhalte!),
- Teilnahme am Matching,
- Erhaltung seltener Haplotypen (Gesundheitsmerkmal!),
- Reduktion überbordender Fellmassen, Brachycephalie etc. (z. B. bei kleinen Varietäten),
- Teilnahme an Maßnahmen zur Kreuzung- oder Veredelungszucht (z. B. zur Verdrängung des Jagdtriebes),
- besonders gute Nachbetreuung für Welpenkäufer mit Rückkopplung gesundheitlicher Aspekte (wobei es nicht darauf ankommen darf, nur die positiven Aspekte zu berücksichtigen, sondern auch Problembereiche zu ermitteln, denn nur Probleme, die ermittelt werden, können auch züchterisch bearbeitet werden, wie z. B. Epilepsie)
- „Patenschaften“ für Neuzüchter,
- . . .
Auszeichnungen für Mitglieder, die besonders engagierte Öffentlichkeitsarbeit betreiben, z. B. durch . . .
- Dogdancing-, Trick-Dog- oder vergleichbare Vorführungen mit Spitzen auf Veranstaltungen wie Stadtfesten, Schulfesten oder Ähnlichem,
- Zeitungsartikel,
- besonders ansprechende, informative und / oder kreative eigene Websites,
- Besuchsdienste in Altenheimen, Einrichtungen der Behindertenbetreuung, Informationsveranstalungen von Schulen, Kindergärten usw.
- . . .
wobei der Focus nicht auf der Eigendarstellung, sondern auf der Präsentation der Spitze als Hunderasse liegen muss.
Vereins- /Verbandsübergreifende Zusammenarbeit
Würde man Ahnentafeln vereins-/bzw. verbandsübergreifend ausschließlich nach verbindlicher Vorlage genetischer Elternschaftsgutachten ausstellen, wie dies in anderen Ländern und teilweise auch in anderen Zuchtvereinen des VDH z. T. schon lange vorgeschrieben und üblich ist
und gleichzeitig
in allen Spitzzuchtvereinen verbindlich sämtliche Würfe – am besten unmittelbar von den Zuchtbuchstellen – an die Datenbank für Deutsche Spitze übermitteln, hätte man ein wirklich machtvolles Zuchtinstrument, denn dann ließen sich in dieser Kombination . . .
- Populaire Sires sofort identifizieren (man muss natürlich auch entsprechende Konsequenzen folgen lassen!)
- versteckte/unbeabsichtigte Inzucht/Inzestzucht verhindern, die dadurch entsteht, dass ein vermeintlich unverwandter Rüde deckt, der in Wahrheit aber sehr wohl mit der Hündin verwandt ist und
- bestehende Ressentiments mit daraus resultierenden Zuchteinschränkungen gegenüber anderen Zuchtvereinen entkräften, bzw. verhindern.
Auf diese Weise könnte man eine tragfähige und solide Basis schaffen, auf der eine
konstruktive Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Vereinen
entstehen kann und Möglichkeiten eröffnen, die künstlichen Barrieren zwischen den in allen Vereinen mehr oder weniger kleinen Zuchtpopulationen abzubauen, bzw. durchlässiger zu gestalten um dadurch die Genverluste und gesundheitlichen Folgen der genetischen Drift wirkungsvoll zu kompensieren oder wenigstens zu minimieren.
Wäre das nicht eine ernsthafte Diskussion in ALLEN verschiedenen Vereinen wert?
Wenn viele Leute in einem Boot sind, ist es gut, wenn nicht alle auf einer Seite stehen.
Aber sie sollten wenigstens alle in die gleiche Richtung rudern!

Sämtliche Diskussionen um alte und neue Linien, Rassereinheitszertifikate und ähnlichem Mumpitz laufen dem Aufbau einer genetisch tragfähigen Zuchtbasis und Varianz völlig konträr und es bedarf keiner sonderlich tiefschürfenden populationsgenetischen Kenntnisse oder Logik, um zu begreifen, dass solche Aufsplitterungen zur Erhaltung der Spitze paradox sind und das genaue Gegenteil dessen bedeuten, was unsere Spitze zum Überleben benötigen.
Insbesondere aber sollten Züchter sich entscheiden, ob sie nun züchten oder Nabelschau betreiben wollen (“Im Himmel ist Jahrmarkt!”)
